Radiogalaxien

Als Radiogalaxien gelten jene Galaxien, deren Emissionen im Bereich der Radiowellen besonders stark sind. Jüngsten Theorien zufolge gehören diese Objekte zu den aktiven galaktischen Kernen, d.h. dass sie auch mit den Quasaren eine Reihe von Merkmalen gemeinsam haben. Man schätzt heute, dass auf eine Million Galaxien eine Radiogalaxie kommt. 

Merkmale:

Radioquellen treten meist in Form von elliptischen Riesengalaxien auf, deren Kern kleiner als 1 Parsec ist. Mit Hilfe von Radioteleskopen kann man ihre langwellige Strahlung auffangen, die tausend bis mehrere Millionen Mal stärker ist als die der Milchstraße in diesem Wellenlängenbereich. Spiralgalaxien zeigen viel schwächere Radioemissionen, und ihre Kerne sind in der Regel um einiges größer (sie können sich über einige Dutzend oder gar 1000 Parsec erstrecken).

Die Radioemissionen elliptischer Galaxien haben ihren Sitz im Allgemeinen nicht im interstellaren Raum der Galaxie, wie dies bei den schwachen Emissionen herkömmlicher Galaxien der Fall ist, sondern meist weit außerhalb des Zentrums, wo die Teleskope nur leeren Raum wahrnehmen. Es handelt sich bei der abgegebenen Strahlung um so genannte Synchrotronstrahlung.

In den meisten Fällen zeigen Radiogalaxien stark gebündelte Strahlen (Jets), die aus den Kernen herausschießen, was auf die Aktivität im Kern schließen lässt. Charakteristisch ist auch die Form der Radioquelle, die in den meisten Fällen durch zwei große „Radioblasen“ oder „Radioflügel“ an einander entgegengesetzten Seiten des Kerns bestimmt ist. Diese Blasen können sich über Millionen Lichtjahre erstrecken. Die Quelle der Aktivität dürfte im Kern der Radioquelle zu suchen sein, wo man, so wie in anderen aktiven Kernen, ein enormes Schwarzes Loch vermutet. 

Typische Radiogalaxien:

Als Prototyp der Radioquellen wird Cygnus A betrachtet – aber auch M 87, die im Messier-Katalog erscheint, ist ein gutes Beispiel für diesen Galaxientyp. Cygnus A ist eine der stärksten Radioquellen am Himmel; es handelt sich um eine Riesenellipsengalaxie in der Richtung des Sternbild Cygnus (Schwan), deren Durchmesser ca. 300.000 Lichtjahre beträgt. Sie zeigt zwei ausgedehnte Radioblasen, die sich über mehr als 3 Mio. Lichtjahre erstrecken und deren Radioemissionen das Zehnmillionenfache einer normalen Galaxie ausmachen. Bei M 87 wiederum handelt es sich um eine Riesenellipsengalaxie inmitten des Virgohaufens. Neben den Radioemissionen zeigt sie auch einen Materiestrahl in der Beobachtungsrichtung.


Radioquelle Cygnus A Radiobild bei 5 GHz (Daten des VLA)