Pharmakotherapie

Nach Ansicht vieler Wissenschaftler ist während einer Depression der Stoffwechsel des Gehirns gestört. Einige Botenstoffe im Gehirn sind in zu geringer Konzentration vorhanden oder eine Übertragung funktioniert nicht korrekt. Deshalb wird die Erkrankung mit speziellen Medikamenten, den so genannten Antidepressiva, behandelt, die auf den Gehirnstoffwechsel wirken. Antidepressiva können von einem Allgemeinarzt oder einem Facharzt verschrieben werden.
Viele Menschen haben Ängste vor Medikamenten. Wissenschaftliche Studien zeigen aber, dass Medikamente aus der Gruppe der Antidepressiva nicht abhängig machen und keinen Einfluss auf die Persönlichkeit ausüben. Gerade bei der Behandlung von schweren Depressionen kann man auf Antidepressiva nicht verzichten. Wer zum ersten Mal Antidepressiva nimmt, sollte wissen, dass diese Medikamente erst nach zwei bis drei Wochen ihre Wirkung zeigen. Leider sind die Nebenwirkungen schon viel früher zu spüren. Die Ärzte können auch nicht voraussagen, welcher Patient auf welches Medikament anspricht. Deshalb kann es vorkommen, dass ein Patient verschiedene Antidepressiva erhält, bis ein für ihn geeignetes Antidepressivum gefunden wird. Medikamente sind auch für die Rückfallverhütung sehr wichtig und werden deshalb auch noch Monate bzw. Jahre nach der letzten Krankheitsphase verschrieben.

Im folgenden eine Übersicht der verschiedenen Arten der Antidepressiva:

Trizyklische Antidepressiva
NSMRI = Non Selective Monoamino Reuptake Inhibitors, TCAs)
Der Name der trizyklischen Antidepressiva leitet sich vom zugrundeliegenden 3-Ringsystem her, über welches alle diese Verbindungen verfügen. Abgesehen von der Eigenschaft antidepressiv zu sein, verfügen die trizyklischen antidepressiva über antriebssteigernde Eigenschaften, aber auch gibt es Trizyklika die sowohl aktivierend, wie dämpfend sind, und zu guter letzt, gibt es auch dämpfende trizyklische Antidepressiva. (#121/48f.)
Traditionell werden Trizyklika nach dem (vereinfachten) Kielholz-Schema in drei Grundtypen eingeteilt:
• Stoffe vom Amitriptylin-Typ wirken eher beruhigend (dämpfend) und sind besonders zur Behandlung der agitiert-ängstlichen Depression geeignet;
• Stoffe vom Imipramin-Typ sind antriebsneutral und wirken vor allem stimmungsaufhellend, sie können sowohl zur Behandlung des agitiert-ängstlichen als auch des gehemmt-depressiven Depressionstypus eingesetzt werden;
• Stoffe vom Desipramin-Typ wirken eher wachmachend bzw. antriebssteigernd, sie sind besonders zur Behandlung der gehemmt-depressiven Depression geeignet.
Dieses Schema stammt aus einer Zeit, als das Wissen um Neuro-Rezeptoren, Neurotransmitter und deren Wirkmechanismen noch relativ gering war; es gilt mittlerweile als veraltet.(Wikipedia)
Heute werden auch die trizyklischen Antidepressiva anhand ihrer Wirkung auf die Monoamin-Neurotransmittersysteme in die folgenden vier Gruppen eingeteilt, wobei zu beachten ist, dass für die Einordnung in eine der Gruppen das hauptsächlich beeinflusste System maßgeblich ist, die anderen Neurotransmittersysteme aber immer in nicht unerheblichem Maße mitbeeinflusst werden:
• Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SRI)
• Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (NRI)
• Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI)
• TZA (Trizyklische Antidepressiva) mit unsicherem Wirkmechanismus (TZA)

SSRI - Selektiver Serotonin-wiederaufnahmehemmer
Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI=selective serotonine reuptake inhibitor - engl.) verhindern die Wiederaufnahme von Serotonin, nachdem es von der Nervenzelle ausgeschieden worden ist. Es kommt somit zu einer Anreicherung von Serotonin im synaptischen Spalt. Dadurch erklärt sich die antidepressive Wirkung. SSRI verhindern durch Bindung an die Nervenzelle wie Wiederaufnahme von Serotonin. (siehe Skizze) 
   



Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (NARI, SNRI)
NARI=Noradrenaline Reuptake Inhibitor; SNRI=Selective Noradrenaline Reuptake Inhibitor
Die NARI hemmen den Transporter, der Noradrenalin nach erfolgter Signalübertragung natürlicherweise wieder zu den Speicherplätzen zurückbefördert. Noradrenalin verbleibt länger am Wirkort, und seine Wirksamkeit als Signalüberträger steigt.

DRI=Dopamine Reuptake Inhibitor
Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (DARI für Dopamine Reuptake Inhibitors) sind Arzneistoffe, die durch die Blockierung des Dopamin-Transporter die präsynaptische Aufnahme des Botenstoffs Dopamin hemmen und so die extrazelluläre Konzentration erhöhen. DARI finden ihre Verwendung als Stimulantia und Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen, Aufmerksamkeitsstörungen und Adipositas.
Medikamente, die nur als DARI wirken, sind vergleichsweise selten auf den Markt gekommen. Viel häufiger blockieren entsprechende Medikamente gleichzeitig auch die Wiederaufnahme von Noradrenalin und/oder Serotonin. 

Selektive Serotonin-/Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI, SSNRI)
SNRI=Serotonine/Noradrenaline Reuptake Inhibitor; SSNRI=Selective Serotonine/Noradrenaline Reuptake Inhibitor
Die SNRI hemmen die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin. Einsatzgebiete sind Depressionen und Angststörungen.

Selektive Noradrenalin-/Dopamin-Wiederaufnahme-Hemmer (NDRI)
NDRI=Noradrenaline/Dopamine Reuptake Inhibitor
Die NDRI hemmen die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin. Einsatzgebiete sind Depressionen, vor allem bei Antriebsschwäche.
• Die einzelnen Verbindungen
• Der einzige Wirkstoff in dieser Klasse ist Bupropion (Elontril).

Noradrenerges Antidepressivum mit Hemmung präsynaptischer Alpha-2-Rezeptoren
Diese Medikamente wirken durch die Blockade von inhibitorischen präsynaptischen Auto-Rezeptoren des Alpha-2-Rezeptortyps und bewirken dadurch eine verstärkte Ausschüttung von Noradrenalin.

Noradrenerges und spezifisch serotonerges Antidepressivum (NaSSA)
NaSSA=Noradrenergic and Specific Serotinergic Antidepressiva
Bei Depressionen (besonders bei Hemmung, Gewichtsverlust, Schlafstörung und Ängsten), wirken meist sedierend, teilweise werden NaSSA auch als Schlafmittel eingesetzt.
• Die einzelnen Verbindungen
• Mirtazapin

Serotonin-(5-HT2)-Antagonist-und-Wiederaufnahme-Hemmer (SARI)
SARI=Serotonine Antagonist and Reuptake Inhibitor
Ein Wirkstoff aus dieser Gruppe ist das Trazodon. Es wird eingesetzt zur Behandlung von Depressionen unterschiedlicher Ätiologie mit oder ohne Angstkomponente, anhaltenden Schlafstörungen bei Depressionen sowie zur Behandlung von im Rahmen von Depressionen auftretenden erektilen Dysfunktionen ohne schwerwiegende organische Ursachen. 


Dual-synaptische Antidepressiva (DSA)
DSA=Dual synaptic Antidepressiva
Wirken als 5-HT2A-Antagonisten und präsynaptische 5-HT-(Rück-)Transporter-Inhibitoren.

Serotonin-Wiederaufnahmeverstärker (SRE)
SRE = Serotonine Reuptake Enhancer
Serotonin-Wiederaufnahmeverstärker erhöhen die Serotonin-Rückaufnahme aus dem synaptischen Spalt und steigern die Feuerungsrate der Neuronen im Hippocampus. Bei Depressionen, ängstlich-depressiven Zustandsbildern, Somatisierung von Depression und Angst, Angst/Depression bei Alkoholikern und Älteren.

MAO-Hemmer
MAO=Mono Amine Oxidase
MAO-Hemmer wirken, indem sie das Enzym Monoaminooxidase (MAO) hemmen, welches für den Abbau der Neurotransmitter sorgt. Dadurch steigt die Konzentration der Neurotransmitter in der Nervenzelle an. Von diesem Enzym gibt es zwei Unterarten: A und B. In der Depressionsbehandlung werden hauptsächlich Medikamente eingesetzt, die Typ A hemmen. MAO-Hemmer, die auf Typ B wirken, setzt man meist in der Behandlung der Parkinson-Krankheit ein.

Reversible Inhibitoren der Monoaminoxidase A (RIMA)
RIMA=Reversible Inhibitor of the Monoamineoxidase A
Die einzelnen Verbindungen 

 
Aminpräkursoren
Im Rahmen der Depressionsbehandlung sind mit Aminpräkursoren die Stoffwechsel-Vorstufen der Monoamin-Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin gemeint.
• Die einzelnen Verbindungen
• L-Tryptophan
• 5-Hydroxytryptophan für Serotonin
• L-Phenylalanin
• L-Tyrosin
• L-DOPA sowohl für Noradrenalin als auch Dopamin 

Phasenprophylaktika (Stimmungsstabilisatoren) mit antidepressiver Wirkung
Lithiumverbindungen
Bei der Lithiumtherapie wird Lithium in Form einiger seiner Salze bei bipolarer Störung, Manie oder Depressionen einerseits als Phasenprophylaktikum, andererseits auch zur Augmentation (Verstärkung) in Verbindung mit Antidepressiva eingesetzt. Eine weitere Anwendung ist die vorbeugende Behandlung bei Cluster-Kopfschmerz.
1. Lithiumcarbonat
2. Lithiumsulfat
3. Lithiumcitrat 

Tetrazyklische Antidepressiva:
Der Name dieser Gruppe von Antidepressiva ergibt sich aus ihrer chemischen Struktur, die eben über 4 Ringe verfügt. Die meisten Vertreter dieser Gruppe können von der Wirkung her noch anderen Gruppierungen zugeordnet werden.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Substanzklassen der Antidepressiva, ihre Wirkungen sowie Hinweise zu Anwendbarkeit und Nebenwirkungen

Substanzklasse

Präparate (in Klammern: geschützte Handelsnamen)

Anwendungsbereich

 Nebenwirkungen NW

Bemerkungen

Trizyklische Antidepressiva (T`ZA)

  • Amitriptylin (z.B. Saroten
  • Amitriptylinoxid (Equilibrin
  • Clomipramin (z.B. Anafranil
  • Desipramin (z.B. Pertofan
  • Dibenzepin (Noveril
  • Dosulepin (Idom
  • Doxepin (z.B. Aponal
  • Imipramin (z.B. Tofranil
  • Lofepramin (Gamonil
  • Nortriptylin (Nortrilen
  • Trimipramin (z.B. Stangyl

schwere Depressionen mit Unruhe und Schlafstörungen

umfangreiche NW, darunter am häufigsten vegetative und sedierende wie z.B. Mund- trockenheit, Müdigkeit, innere Unruhe, Miktionsstörungen. Außerdem können auftreten:

  • Zittern (häufig)
  • Blutdrucksenkung (häufig)
  • Schwindel
  • Störungen der Erregungsleitung des Herzen
  • Gewichtszunahme
  • Libidoabnahme
  • Ödeme

In seltenen Fällen kann es zu Glaukomanfällen, zerebralen Krämpfen (Häufigkeit: 0,1-0,5%), Blutbildschäden und dem Auftreten psychotischer oder manischer Symptome kommen.

Aufgrund der Möglichkeit von Erregungsleitungs- störungen sollten Herz- patienten  ein Antidepressivum aus einer anderen Substanzklasse erhalten.

Tetrazyklische Antidepressiva

  • Maprotilin (z.B. Ludiomil
  • Mianserin (z.B. Tolvin

ähnlich wie TZA

ähnlich wie TZA

ähnlich wie TZA

selektive Serotonin- Wiederaufnahme hemmer (SSRI)

  • Citalopram (Cipramil
  • Fluoxetin (z.B. Fluctin
  • Fluvoxamin (z.B. Fevarin
  • Nefazodon (Nefadar
  • Paroxetin (Seroxat
  • Sertralin (Gladem
  • , Sepram) , Tagonis) , Zoloft)

leichte und mittelschwere Depressionen ohne schwere Schlafstörungen und ohne innere Unruhe

Das NW-Profil der SSRI ist einheitlicher. Es treten v.a. gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Appetitlosigkeit sowie Unruhe auf.

Die Häufigkeit der NW ist geringer als die bei TZAs.

SSRI sollten nicht mit MAO-Hemmern kombiniert werden, da sich ein serotonerges Syndrom mit Hypomanie, Agitiertheit, psychotischen Symptomen, erhöhter Muskelspannung und Fieber kann.

Außerdem sollte die Kombination mit TZA, Benzodiazepinen und anderen Medikamenten beobachtet werden.

selektive Serotonin- und Noradrenalin- Wiederaufnahme - hemmer (SSNRI)

  • [Mirtazepin (Remergil
  • Venlafaxin (Trevilor
  • Duloxetin (Cymbalta

ähnlich wie SSRI

  • Magen-Darm-Beschwer den inkl. Übelkeit
  • Blutdruckanstieg
  • Unruhe
  • Schlafstörungen

ähnlich wie SSRI

selektive Noradrenalin- Wiederaufnahme hemmer (SNRI)

  • Reboxetin (Edronax
 
  • Schlafstörungen
  • Agitiertheit
  • Schwitzen
  • Schwindel
  • Blutdrucksenkung
  • erhöhte Herzfrequenz
  • Miktionsstörungen
  • Verstopfung
  • Impotenz
 

MAO-Hemmer

  • Moclobemid (Aurorix
  • Tranylcypromin (Jatrosom N
  • atypische Depression
  • Resistenz gegenüber anderen Antidepressiva
  • Schwindel
  • Schlafstörungen
  • Unruhe
  • keine Kombination mit SSRI
  • Bei Tranylcypromin (irreversibler MAO-Hemmer) ist eine tyraminfreie Diät notwendig.

Hypericum (Johanniskraut)

  • z.B. Helarium
 
  • Lichtempfindlichkeit
  • Magen-Darm-Beschwer den
 

andere Antidepressiva

  • Trazodon (Thromban
  • Viloxazin (Vivalan
 

Trazodon:

  • Müdigkeit
  • Libidiosteigerung
  • Priapismus (sehr selten)
 
* Mirtazepin ist ein Serotonin- und Noradrenalin-Agonist mit Wirkungen, die denen der SSNRI sehr ähnlich sind.

Quelle:http://www.verhaltenswissenschaft.de/Psychologie/Psychische_Storungen/Affektive_Stoerungen/Depression/Therapie_Depression/therapie_depression.htm#Antidepressiva 

Eine ausführliche Darstellung über die Wirkungsweise der unterschiedlichen Antidepressiva findet man unter:
netdoktor.de
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http://www.netdoktor.de/Krankheiten/Depression/