Die Meereistheorie
Hauke Trinks' Kältetheorie

Einen bislang unbeachteten Leben spendenden Schauplatz schlug der Hamburger Physik-Professor Hauke Trinks vor. Inspiriert durch eine Kajakfahrt in Spitzbergen, startete er ein Forschungsprogramm, das sich mit Kälte liebenden Organismen, den „Psychrophilen“, beschäftigt. Untersuchungen des hoch komplexen Mediums Meereis lassen ihn annehmen, dass hier die Bedingungen für die Entwicklung erster organischer Moleküle nahezu ideal waren:

Denn Meereis besteht aus einem kompliziert aufgebauten fein strukturierten Material aus festen, flüssigen und gasförmigen Bestandteilen. Trinks beschreibt Meereis als eine Art schwammiger Körper, in dem das Süßwasser gefroren und der Salzwasseranteil als konzentrierte Salzlösung zurückgeblieben ist. In den damit gefüllten winzigen Hohlräumen und Kanälen, bedingt durch die niedrige Temperatur und die hohe Anreicherung von Salzen, die Bildung stabiler Wasserstoffbrücken begünstigt gewesen. Diese wiederum wären wichtig gewesen bei Reaktionen von Molekülen der Ribonukleinsäure (RNS), denen eine Schlüsselrolle in der Entstehung des ersten Lebens zugeschrieben wird. Der hoher Anteil aktiver Oberflächen zwischen Eis und Salzlösung könnte wie geschaffen sein dafür, Moleküle zu ordnen und Reaktionen zu katalysieren. Zudem schützt das Meereis die darin entstandenen Moleküle vor der UV-Strahlung.

Quelle GEO kompakt Nr. 1 „Die Geburt der Erde“