Magellansche Wolken

Südlich des Äquators im weiteren Umfeld des Himmelssüdpols erblickt man nachts am Himmel zwei milchige Flecken, die in einigem Abstand neben dem Band der Milchstraße stehen. Diese beiden unregelmäßig geformten diffus leuchtenden Nebel sind die Große und die Kleine Magellanschen  Wolke. Dabei handelt es sich um zwei kleine Sternsysteme, die als Satellitengalaxien unserer Milchstraße gelten. Während sich die Große Magellansche Wolke (LMC = Large Magellanic Cloud) im Sternbild Dorado (Schwertfisch) befindet, steht die Kleine Wolke (SMC = Small Magellanic Cloud) im Sternbild Tucana ( Tukan).


Die beiden Objekte sind nach dem portugiesischen Seefahrer Ferdinand Magellan benannt, dem ersten Weltumsegler, dessen Reiseberichterstatter diese Objekte 1521 erstmals genauere beschrieben.

Die beiden Wolken befinden sich 170.000 bzw. 200.000 Lichtjahre von uns entfernt. Die Große Wolke mit einem Durchmesser von 25.000 Lichtjahren beinhaltet rund 10 Milliarden Sonnenmassen, die Kleine Wolke hingegen nur 2 Milliarden. Ihr Durchmesser liegt bei knapp 10.000 Lichtjahren. Anders als unser Milchstraßensystem gehören die beiden Begleiter nicht zum Typ der Spiralsternsysteme. Da ihre Formen keinerlei Regelmäßigkeiten erkennen lassen, werden sie als irreguläre Galaxien bezeichnet. Die enge Beziehung der Magellanschen Wolken zu unserem Milchstraßensystem kommt unter anderem in feinen Materiebrücken aus Wasserstoff zum Ausdruck, die uns wie Nabelschnüre mit ihnen verbinden.

Am Rand der Großen Magellanschen Wolke befindet sich einer der schönsten und hellsten Gasnebel überhaupt. Es ist der Tarantelnebel - eine riesige Gaswolke, die so hell leuchtet, dass sie selbst in 170.000 Lichtjahren Entfernung mit bloßem Auge zu erkennen ist. Der Tarantelnebel hat etwa 1.000 Lichtjahre Durchmesser. Er enthält viele junge, sehr heiße Sterne, die ihn zum Leuchten anregen. Diese Sterne sind erst zwei bis drei Millionen Jahre alt (unsere Sonne dagegen ist fast fünf Milliarden Jahre alt - also etwa 2000mal älter!). Gleichzeitig entstehen im Nebel noch viele weitere Sterne. 

Der Tarantelnebel, aufgenommen mit dem Hubble-Weltraumteleskop

Für die Forschung sind die Magellanschen Wolken in vielerlei Hinsicht interessant. Wegen ihres geringen Abstands vermögen wir in ihnen sehr viele Einzelobjekte zu identifizieren, darunter auch die so genannten Distanz-Indikatoren, die Delta-Cephei-Sterne.

Als die amerikanische Astronomin Swan Levitt 1912 zahlreiche solcher Veränderlicher in der Kleinen Magellanschen Wolke entdeckte, fand sie dabei die Beziehung zwischen der Lichtwechselperiode und den absoluten Helligkeiten dieser Sterne. Auf diese Weise stand fortan eine hervorragende Methode zur Entfernungsbestimmung über größere Distanzen bereit. Kennt man nämlich die absolute Helligkeit eines einzelnen Sterns und vergleicht sie mit der scheinbaren Helligkeit, so kann man die Entfernung mühelos ausrechnen.